Christuskirche Beilngries

Zur Geschichte der Christuskirche Beilngries

seit 1913 setzt sich der „Evangelische Verein für Beilngries und Umgebung“ vor allem für den Bau einer evangelischen Kirche in Beilngries ein und sammelt unermüdlich Geld.
17. November 1913: Die Stadt Beilngries schenkt dem Verein einen Bauplatz für die geplante Kirche.
1918: Durch die Geldentwertung nach dem Krieg war das angesammelte Bauvermögen von 40 000 Mark wertlos. Die Sammlung für den Kirchenbau begann von vorne.
12. September 1926: Grundsteinlegung

Grundstein vor den Altarstufen


Bau der Kirche mit Architekt Behringer aus Nürnberg.
28. Mai 1928: Weihe der Christuskirche (Pfingstmontag)
1959: Einbau einer elektrischen Heizung
14. Oktober 1962: Die Renovierung der Kirche ist abgeschlossen. Neugestaltung des Altarraums mit gestiftetem Kruzifix und Glockenweihe für drei neue Glocken der Firma Perner, Passsau.

Innenraum der Beilngrieser Kirche vor der Renovierung von 1962

5. Dezember 1965: Weihe der Orgel
Ausbesserungsarbeiten am Turm
27. Juli 1996: Weihe des Regenbogen-Kerzenständers
Renovierung des Kirchenportals
30. März 1997 (Ostersonntag): Weihe des Vortragekreuzes

Kurzinformation

Grundsteinlegung: 12. September 1926
Einweihung: 28. Mai 1928 (Pfingstmontag)
Planung: Architekt Behringer aus Nürnberg
Kruzifix: Eiche und Kupfer, Karl Dörrfuß, Fürth 1962
Altar: Kalkstein 1928
Taufstein: mit Taufschale und Deckel aus Kupfer, 1962
Vortragekreuz: Bronze und Holz, Reinhart Fuchs, Untersteinbach, 1997
Regenbogen: Ton, glasiert, Helmut Sikora, Oening 1996
Kerzenbord: Schmiedeeisen, Karl Sauer, Beilngries 1996
Christus mit Dornenkrone: Linolschnitt, Artur Angne, 1998
Weihnachtsstern: Linolschnitt, Artur Angne, 1999
Glocken: Firma Pernau, Passau 1964; Geläut: gis’ – ais’ – cis”
Orgel: zehn Register, zwei Manuale, Pedal, Steinmeyer und Co., Oettingen 1965

Orgel Beilngries

Beschreibung des Innenraums der Kirche

Unsere Kirche lädt ein zum Betrachten. Auch wenn sie kunsthistorisch nicht viel zu bieten hat – sie bietet Ihnen etwas von unschätzbarem Wert an: einen Raum, in dem Sie dem Geheimnis Gottes nachspüren können. Wenn Sie Zeit haben, dann nehmen Sie Platz und lassen Sie sich von dem Heiligen berühren. Schauen Sie sich um und lassen Sie Ihre Augen bummeln gehen.

Vielleicht bleibt Ihr Blick an dem großen Kruzifix über dem Altar hängen? Ein gekreuzigter Christus, der auf den ersten Blick recht dunkel wirkt, fast bedrückend.

Chorraum der Christuskirche mit großem Kruzifix

Bedrückend ist auch, was Jesus Christus erlebt und erlitten hat: Er kam mit einer Mission zur Welt, einer großen Hoffnung. Aber der Jubel um seine Person hielt nur kurz an. Eines Tages hatten sie ihn alle verlassen. Einer verriet ihn sogar. In der Nacht vor seinem Tod erlebt er die Tiefe der Enttäuschung: Ganz allein ist er in seiner Angst. Und allein ist er auch in seinem Sterben. Wie jeder von uns eines Tages. Und dann ist alles vorbei. Jesus hängt am Kreuz und ist tot. Da ist kein Kämpfen mehr, kein Aufbäumen, kein Verhandeln. Kraftlos und starr ist sein Körper geworden. Das Leben ist erloschen. Auf seinem Kopf ist noch die Dornenkrone, das Zeichen der Demütigung und des Spottes. “Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen” – damals schon. Der Kopf dieser Figur liegt im Dunkeln, wir können kaum etwas erkennen. Vielleicht ein Hinweis darauf, dass wir Menschen ohne Hilfe kaum etwas von Gott erkennen können? Was die Christusfigur in der Kirche angeht, ist die Hilfe einfach: Zu den Gottesdiensten schalten wir einfach ein Licht ein, das die Figur anstrahlt. Das Gesicht hellt sich dadurch auf. Es wirkt dann nicht mehr bedrückend und düster, sondern es strahlt eine geheimnisvolle Ruhe aus. Etwas Wohlwollendes geht davon aus. Auch wenn ich den Gesichtsausdruck bis heute nicht wirklich deuten kann: Ich kann nicht fassen, was dieser Christus mir sagen will, und ich werde nicht fertig mit der Frage danach. Immerhin sagt er mir das: Es ist nicht zu Ende. Weder sein Leben noch meines, weder in dieser Welt noch in einer anderen: Da ist auf jeden Fall etwas, das weitergeht.

Wenn diese Christusfigur von den beiden Lampen rechts und links angestrahlt wird, entsteht noch ein anderer Eindruck: Die Figur wirft Schatten nach beiden Seiten und es sieht so aus, als wären die beiden Schächer, die mit ihm gekreuzigt wurden, auch da. Er ist doch nicht allein. Nicht einmal im Tod. Und die beiden anderen sind es auch nicht. Auch wenn wir uns allein fühlen: wir sind es nicht, nicht einmal im Sterben. Das Licht der Welt ist bei uns und hellt unser Dunkel auf.

Auf das Holz des Kreuzes sind neun Metallplatten aufgesetzt. Die dominierende Farbe dabei ist das Grün, eine Mischfarbe aus zwei anderen. Manchmal schimmert dieses Grün eher bläulich und manchmal mehr gelb. Ist das ein Hinweis darauf, dass Jesus Christus “zwei Naturen” hat, eine göttliche und eine menschliche? In ihm trifft sich beides und wir nehmen einmal mehr das eine, ein anderes Mal mehr das andere wahr. Vielleicht ist das auch ein Hoffnungszeichen: Grün die Farbe des Lebens, des Wachsens; eine Farbe, die daran erinnert, wie aus Abgestorbenem und Totem wieder etwas Neues wächst. In jedem Frühjahr können wir das erleben, egal wie dunkel und kalt der Winter war. Und im Frühjahr feiern wir Ostern, das Fest der Auferstehung von Jesus Christus!


Das Hoffnungsthema wird in unserer Kirche noch an anderen Stellen aufgenommen. Da ist z.B. das Vortragekreuz aus Bronze. Es lehnt an der Wand links vom Altarraum.

Neues Vortragekreuz mit Blütenmotiv

1997 wurde es für unsere Gemeinde geschaffen als ein Kreuz, das bei Beerdigungen vor dem Sarg zum Grab getragen wird. Gerade wenn es um den Tod geht, sollte ein Hoffnungszeichen den Zug anführen. Dieses Kreuz ist wie eine Blüte gestaltet: Aus dem Stamm des Kreuzes blüht neues Leben auf. Bleiben wir nicht stehen in der Traurigkeit und Verzweiflung des Todes, sondern vertrauen wir auf das Neue, das wächst, das Reich Gottes! Zum Reich Gottes gehören nicht nur die Menschen, sondern auch die Pflanzen und die Tiere. Der ganze Erdkreis ist dabei. Für alle gibt es Erlösung, Aufatmen, ein Leben in Frieden und Liebe, wenn das Reich Gottes erst einmal vollkommen da ist. Um das zu verdeutlichen wird das Kreuz von einem Kreis umgeben. Es geht nicht um Einzelne, nicht einmal um einen einzelnen Planeten, der ganze Kosmos ist gemeint. So wie er als Ganzes zur Schöpfung gehört, wird er auch als Ganzes erlöst – ein kosmisches Kreuz also als Zeichen der Erlösung für den ganzen Kosmos. Der Kreis ist ein uraltes Symbol für die Ganzheit oder die Unendlichkeit, weil er keinen Anfang und kein Ende hat. Der Kreis an diesem Kreuz ist aber nicht geschlossen. Er ist oben offen, um dem aufkeimenden Leben Raum zu geben. Er begrenzt nicht, er weist im Gegenteil auf die Grenzenlosigkeit der Liebe Gottes hin. Heute wird das Vortragekreuz nicht mehr verwendet, weil die Beerdigungen in der katholischen Kirche auf dem Friedhof stattfinden.

Außer diesem neuen Vortragekreuz steht seit einigen Jahren auch das alte Vortragekreuz wieder in der Kirche. Es war lange Zeit auf den Dachboden verbannt, weil einige Gemeindeglieder die Meinung vertreten hatten, dass ein so trauriger Anblick wie der Körper des leidenden Christus nicht zur frohen Botschaft des Evangeliums passt. Heute hat es wieder seinen Platz in der angestammten Halterung vor den Bänken in der ersten Reihe eingenommen.

Altes Vortragekreuz mit dem Körper des Gekreuzigten
Im Hintergrund: großes Kruzifix über dem Altar

Ebenfalls ein Hoffnungssymbol ist der Regenbogen über dem Kerzenbord an der linken Seite der Kirche, hinter dem Taufstein. Dieses Zeichen stammt aus der alten Geschichte von der Sintflut, die in der Bibel, im 1. Buch Mose, in den Kapiteln 7 bis 9 erzählt wird: Gott ist erschüttert über die Bosheit und Gottlosigkeit der Menschen und beschließt, sie alle zu vernichten. Nur Noah und seine Familie werden gerettet. Noah rettet sich, seine Familie und alle Tiere in der Arche, die Gott ihn bauen läßt. Alle anderen, Menschen und Tiere kommen in einer ungeheuerlichen Flut um. Nach mehreren Wochen auf stürmischen Gewässern landet die Arche auf dem Trockenen und Noah steigt mit Familie und Tieren aus. Das erste, was sie tun, ist: sie bauen einen Altar und danken Gott für ihre Rettung. Da erscheint am Himmel der Regenbogen. Er ist der Kriegsbogen Gottes, den er in die Wolken hängt. Gott will fortan nicht mehr “Krieg führen” gegen die Menschen. Er verspricht, dass er nie wieder die ganze Menschheit vernichtet. Das Leben auf der Erde wird weitergehen – und der Regenbogen ist das Zeichen für dieses Versprechen, wie eine Unterschrift auf einem Vertrag.

Der Regenbogen spannt sich hier über das Kerzenbord aus Schmiedeeisen. Hier dürfen Sie gerne eine Kerze anzünden und sie mit einem Gebet verbinden. Selbstverständlich können Sie überall und jederzeit beten und Gott wird Sie hören, auch wenn Sie keine Kerze dazu anzünden. Diese Kerzen hier brennen weniger für Gott als für uns Menschen. Wir brauchen Zeichen, die wir sehen können, die uns erinnern. Auf diesem Kerzenständer brennen Kerzen für Gemeindeglieder, die krank sind, für geliebte Menschen, die Hilfe brauchen, für einen sehnlichen Wunsch, für unsere Verstorbenen – oder eben wofür Sie eine anzünden.

(verfasst von Pfrin. Dagmar Knecht, überarbeitet von Pfr. H. – M. Hechtel)